Outdoortech

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Ein Baumhaus zu bauen ist ein Kindheitstraum, den viele hegen, der aber nur für die wenigsten wahr wird. Der Verein Outdoortech baut seit mehr als 16 Jahren mit verschiedensten Zielgruppen Baumhäuser. Wir wissen aus Erfahrung, wie sich der Traum vom Baumhaus in der Erlebnispädagogik erfolgreich und ganzheitlich in die Tat umsetzen lässt.

 

Im Sommer 2019 findet vom 22.7 bis 3.8.2019 unser nächstes Baumhauslager für alle Interessierten zwischen 14 und 24 Jahren statt. 

 

Hintergrund

Outdoortech setzte bereits vor 15 Jahren im Cevi erste Baumhausprojekte in der offenen Jugendarbeit um. 2009 wurde unser Konzept in Holland durch den YMCA in Zusammenarbeit mit dem Veranstalter Buitendoor übernommen. 2013 wurde anlässlich eines europäischen Jugendfestivals in der Tschechischen Republik ein Baumhaus mit über 120 Bewohnern aus fünf Ländern gebaut. Seither verbreitete sich die Methode des Baumhausbaus in ganz Europa. Auch in Deutschland finden mittlerweile vor allem im CVJM regelmässig verschiedene erlebnispädagogische Baumhauscamps statt.

 
 
 
 

Unsere Baumhauscamps dauern in der Regel zwei Wochen. Die erste widmet sich dem Bauprozess, die zweite dem Bewohnen. Am ersten Tag werden alle Teilnehmer in die Bautechnik und in die geltenden Sicherheitsregeln eingeführt. Diese Schulung findet bereits an der ersten Plattform statt. Parallel dazu bauen wir im Wald eine einfache Camp-Struktur auf, die wir nutzen können, bis unser Baumhaus bezugsbereit ist. Es existieren keine Pläne und keine genauen Vorstellungen davon, wie das fertige Baumhaus aussehen wird. Es entsteht erst während dem Bau. Mit diesem Vorgehen sollen ganzheitliche Bildungsprozesse in Gang gesetzt und die Persönlichkeitsentwicklung gefördert werden.

Während in den ersten Tagen der Bau von Plattformen im Vordergrund steht, geht es in einer zweiten Phase darum, Brücken, Treppen und Leitern zu bauen. Erst in einem letzten Schritt widmen sich die Teilnehmer dem fantasievollen Ausbau ihrer zukünftigen Behausung. Der Bauprozess richtet sich nach den Ressourcen der Teilnehmenden. Alle werden gebraucht. Sei es zum Zuschneiden der Baumstämme, als Kletterer oder zum Fixieren der mächtigen Balken mit Seilen und Knoten. Ressourcenorientierung bedeutet für uns, dass jeder Teilnehmer und jede Teilnehmerin seinen oder ihren eigenen Platz im Projekt hat, in der jede und jeder etwas besonders gut kann oder ein Spezialist ist im eigenen Bereich. Durch die vielen handwerklich orientierten Aufgaben, die nicht nur über Sprache erlernt werden, können zudem Menschen aus anderen Kulturen (z. B. Flüchtlinge) gut in die Projekte integriert werden. Auch Menschen mit einer Lernbehinderung können verschiedene Aufgaben übernehmen, da viele Aufgaben repetitiv sind.

Der Abschluss der eigentlichen Bauphase wird mit einem gebührenden Richtfest gefeiert. Hierzu werden nach Möglichkeit Eltern, Freunde und Interessierte eingeladen. Stolz können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihr selbst gebautes Baumhaus zeigen. Auf diese Weise erfahren sie nicht nur von den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern Wertschätzung, sondern auch von ihren Angehörigen. Ein Baumhaus zu bauen macht Selbstwirksamkeit auf verschiedenen Ebenen erfahrbar. 

Die zweite Woche widmet sich dem Leben im Baumhaus und ermöglicht den Teilnehmenden, das bereits Erlebte zu vertiefen und zu verankern. Hilfreich ist hierbei, dass während des Bauprozesses gemachte Erfahrungen nun bei neuen Aufgaben gestärkt werden können. Die zweite Woche hat oft auch den Charakter eines Wald-Camps. Ein solches kann insbesondere ein nachhaltiges Lernen in der Natur ermöglichen. Dadurch entwickeln sich eine grundsätzlich positive Einstellung zur Natur sowie insbesondere das Vertrauen in sich selber, auch mit widrigen Naturverhältnissen sicher umgehen zu können.

Der Rückbau ist Teil des Konzepts. Die von uns gebauten Baumhäuser sind nicht für eine Nachnutzung vorgesehen. Zentrales Anliegen hierbei ist es, dass unsere Aktivitäten in der Natur so wenig Spuren wie möglich hinterlassen. Der Abbau geschieht nicht zuletzt in unserem systemischen Verhältnis von Erlebnispädagogik. Unser Motto dabei ist wie in dem Lied Nothing But von John Kay: «Take nothing but pictures, leave nothing but footprints».

Der ganzheitliche pädagogische Ansatz 

Das Baumhausbauen erfüllt verschiedene etablierte Strukturmerkmale erlebnispädagogischer Lernszenarien. Es enthält Situationen mit Erlebnis- und Ernstcharakter, ermöglicht das Lernen ausserhalb der Komfortzone, bei allen Witterungen und in luftiger Höhe. Durch das aktive Bauen und das Learning-by-doing im Baumhaus-Camp werden Erfahrungsräume eröffnet, die ein handlungsorientiertes und erfahrungsbezogenes Lernen ermöglichen können. Dabei fördert die Ganzheitlichkeit des Bauens im Team, in der Natur und mit allen Sinnen das kognitive, affektive, aktionale und motorische Lernen der Teilnehmenden. Dem in der Jugendarbeit wie in der Erlebnispädagogik wichtigen Ansatz der Ressourcen- und Subjektorientierung kann hier durch die unterschiedlichen Aufgaben Rechnung getragen werden. Der Ansatz, statt einer defizitorientierten eine wachstumsorientierte Perspektive einzunehmen, ermöglicht es, auf Grundlage der eigenen Stärken Entwicklungsoptionen zu entdecken und sich als selbstwirksam zu erfahren. Dabei hilft im Kontext des Baumhaus-Bauens die Interaktion mit der sozialen Gruppe, dem Team bzw. den anderen Teilnehmenden. Die Teilnehmenden erlernen den Umgang mit sicherheitsrelevanten Regeln und übernehmen Verantwortung für sich und andere. Im Alleingang ist der Bau unmöglich, nur im gemeinsamen Tun kann der Baumhausbau gelingen. Die Arbeit im Team erfordert Kooperationskompetenz, Kommunikationsfähigkeit und Kompromissbereitschaft. Damit dies gelingt, ist ein non-direktiver Ansatz, der die Gruppe zu eigenverantwortlichem Handeln und Partizipation bzw. die Gruppenselbststeuerung (trial and error) eines jeden Einzelnen anregt. Das führt, gerade weil das Bauen anstrengend und physisch herausfordernd ist, immer wieder auch an (körperliche) Grenzen. Grenzerfahrungen gelten als zentrales Strukturmerkmal erlebnispädagogischer Aktivitäten.

Überlegungen zur Sicherheit

Wer in der Erlebnispädagogik mit Seilen arbeitet, muss die Materie beherrschen und Erfahrungen damit gesammelt haben. Im Bereich des Baumhausbauens kommt der Materialkenntnis eine besonders hohe Relevanz zu, da entsprechende Standards fehlen. In den Baumhauscamps wird Wert gelegt auf eine umfassende Sicherheitskultur, die vom Team sowie auch von den Teilnehmenden selber gelebt wird. Ziel ist es, dass die Leitung die Selbstwirksamkeitskräfte der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, das Selbstvertrauen und die Selbstständigkeit stärkt. Die Aufgaben werden dabei so gewählt, dass im Setting alle Teilnehmenden ein gewisses Mass an Herausforderung finden und stärkende Erfolge verbuchen können.

Es zeigt sich, dass sich die Methode des Baumhausbauens besonders eignet, um:

  • Partizipationsprozesse zu fördern

  • Selbstwirksamkeit anzuregen

  • Kreativität zu fördern

  • Verantwortungsgefühl zu stärken

  • die Übernahme von Initiative und Verantwortung zu schulen

  • Ressourcen zu entdecken

  • kooperative Verhaltensweisen auszubilden

  • Freude zu erleben

  • Motivation zu erleben und zu übertragen

  • Kognitive Entwicklung zu unterstützen

Diese Liste ist nicht abschliessend. Die Stärke der erlebnispädagogischen Methode beruht nicht zuletzt darauf, dass Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit den unterschiedlichsten Ressourcen in den Bauprozess miteinbezogen werden können. Die Methode fördert handwerklich veranlagte Teilnehmende, deren Fähigkeiten in unserer hoch technologisierten Gesellschaft zunehmend in den Hintergrund treten.